Spektakulärer Wortbruch – Fraktionszwang statt Glaubwürdigkeit
14. Januar 2012 | Von kwd | Kategorie: LeserbriefeDer Vordenker und Hirte vom Berg, Roman Limbach hat seine auf Abwege geratenen Schäfchen wieder eingefangen und auf Linie gebracht. Anders lässt sich der spektakuläre Wortbruch im Planungs- und Umweltausschuß der Stadt Königswinter am vergangenen Mittwoch kaum erklären, nachdem zuvor im Rahmen einer privat organisierten Bürgerversammlung am 18.11.2011 diverse Vertreter der CDU – allen voran Jochen Kröger – sowie die Herren Gasper, Weck und Kassner, vor etwa 60 Zeugen das Versprechen geäußert hatten, den umstrittenen B-Plan-Entwurf 10/36 zu verwerfen und von der Umsetzung der Eisenbahnkreuzungsvereinbarung zu entkoppeln. Hierzu wollte man einen eigenen Antrag in die Beratungen im Ausschuß einbringen. Das Gegenteil fand nun tatsächlich statt. Nur SPD und KÖWI hielten mit ihrem Antrag am Ende Wort – leider erfolglos.
Statt nach zwei zuvor erfolglos abgebrochenen Sitzungen nun endlich die protokollarisch festgehaltenen Versprechen vom November einzulösen, wurde jedoch zunächst stundenlang hin und her taktiert und mit der Abstimmung über die Abwägungsvorschläge der Verwaltung fortgefahren. Während die aufmerksamen Bürger im Publikum beinahe endlos auf die Folter gespannt wurden in der Ungewissheit, wie nun mit dem Bürgerwillen umgegangen werde, wurde durch die meisten Ausschussmitglieder, von wenigen Ausnahmen abgesehen, weder Interesse, noch besondere Kenntnis hinsichtlich entscheidender Detailfragen zum Ausdruck gebracht. Mit geradezu heldenhafter Gelassenheit stellte sich Ratsmitglied Jörg Pauly der Blockadehaltung seiner Ausschusskollegen entgegen, indem er beharrlich gegen die zahlreichen Abwägungsfehler, bzw. Abwägungsunterlassungen anargumentierte, während den Meisten überhaupt nicht auffiel, daß viele der vermeintlichen Abwägungen der Verwaltung aus bloßen Behauptungen besteht – so zum Beispiel die Aussage, daß die Erreichung des Sanierungsziels für die Altstadt nur möglich sei, indem eine entsprechend großflächige Bebauung zugelassen werde.
Der planerische Nachweis hierzu wurde allerdings bisher überhaupt nicht erbracht. Selbst wenn man daran glauben sollte, daß die Ansiedlung eines großformatigen Supermarktes für das Heil der Altstadt unverzichtbar sei, so bliebe noch immer die Frage zu klären, wie viel Fläche dafür tatsächlich in Anspruch genommen werden muß, angesichts der Tatsache, daß die Gegebenheiten des Geländes die Möglichkeit bieten, bereits zwei Geschosse unterirdisch anzuordnen und diese von allen Ebenen des an die Unterführung anschließenden Aufgangsbauwerks aus zu erschließen. Es war erschreckend, mit welcher Selbstgefälligkeit, bei gleichzeitiger Unkenntnis in der Sache, manche Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses ihren Richtspruch über das Wohl der Altstadt gefällt haben. Es stellt sich die Frage, in wessen Mission diese Leute tätig sind. Auch die Rolle der Grünen und der FWK als Verbündete der CDU erscheint in diesem Zusammenhang fragwürdig.
Die als großzügiges Entgegenkommen dargestellte, sogenannte – und rechtlich unverbindliche – Selbstverpflichtung, die Flächenausnutzung auf ein nicht näher definiertes Maß zu beschränken, betrifft nur wenige Gesichtspunkte der mit vielen weiteren schädlichen Mängeln behafteten Planung. Zudem erscheint diese Verpflichtung ebenso viel Wert, wie die gebrochenen Versprechen vom 18.11.2011. Daher muß an dieser Stelle noch einmal an das Gewissen der Mitglieder des Rates der Stadt Königswinter appelliert werden, dem Beschluß des PUA nicht zu folgen und die Genehmigung des Bebauungsplans 10/36 zu verweigern. Auch wenn die Diktatur des Mittelmaßes erfahrungsgemäß weder Beteiligung noch Widerspruch duldet, muß man erkennen, daß die Zeichen der Zeit eine andere Entwicklung ankündigen.
Bernhard Rothe, Architekt, KönigswinterÄhnliche Artikel










Helden, Politiker und andere Menschen
Ich möchte die Gelegenheit nutzen Herrn Rothes Leserbrief aus meiner Sicht zu kommentieren.
Zunächst ein Vergleich:
Auf der einen Seite Herr Limbach, der hier als “Vordenker und Hirte vom Berg” benannt wird, der sich durch Sturheit und Starrköpfigkeit auszeichnet, nicht den eingeschlagenen Weg verlässt und alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzt um nicht einzuknicken.
Auf der anderen Seite Herr Pauly, der wie Herr Rothe schreibt “mit geradezu heldenhafter Gelassenheit” dem Rest des PUA die Stirn bietet und immer und immer wieder Fehler aufdeckt und diese mit Anträgen versehen zur Abstimmung bringt.
Wer die letzten Sitzungen des PUA verfolgen konnte (und wir waren bei jeder der Sitzungen dabei), wird vielleicht feststellen dass sich die beiden, von Ihren politischen Ansichten abgesehen, gar nicht so weit von einander entfernen.
Denn eins ist ganz klar. Beide beharren auf ihrem Standpunkt ohne Rücksicht auf Verluste!
Natürlich wurde Wort gebrochen, natürlich ist der Sitzungsbeschluss angreifbar und in Teilen mit Sicherheit auch vor einem Gericht anzufechten.
Aber wem hilft es wenn alle Beteiligten nur noch “Recht” haben wollen ohne einander zuzuhören?
Den Bürgern und ihren Anliegen jedenfalls nicht, wie sich gezeigt hat.
Wir könnten noch Monate trefflich über das streiten was nun passiert ist. Wem nutzt es???
Wir könnten aber auch versuchen die wenigen Punkte die tatsächlich geändert wurden als positiv anzuerkennen und die in unseren Augen negativen und nichtssagenden Aussagen gut im Gedächtnis behalten und prüfen ob Wort gehalten wird.
Wir sollten das positive Engagement von SPD und KÖWI als zukunftsweisende Richtschnur einer bürgerfreundlicheren Politik größerer Parteien wahrnehmen und im Auge behalten.
Keiner verliert gerne, auch wir nicht, aber eine pauschale Abrechnung mit der Politik wird auf diesem Weg nicht funktionieren und zu weiter verhärtenden Fronten führen. Dafür gibt es Wahlen, die ja gar nicht mehr so lange auf sich warten lassen.
Dass sich CDU / FDP nicht mit Ruhm bekleckert haben steht außer Frage, dass von FWK und besonders den Grünen nicht mehr zu erwarten war verwundert nicht, trotzdem sollte man akzeptieren wie es gekommen ist. Auch wenn es einem nicht in den Kram passt.
Völlig falsch finde ich stattdessen hier “Helden” zu gebären und den Anschein zu erwecken alles hätte nur an der Haltung der restlichen Politik gelegen.
Wir erkennen den guten Willen von Herrn Pauly ebenso sehr an wie Herr Rothe, stehen aber nach wie vor zu der Meinung mit Kommunikation auf Augenhöhe hätte man, gerade am Ende eines solch langen Prozesses der Beschlussfindung, auch etwas mehr erreichen können.
Misstrauen, Missgunst und kollektive Voreingenommenheit von allen Seiten ist dann aber der bevorzugte Weg Politik zu machen. Ich will nicht unbedingt von Sandkasten und Förmchen sprechen, wenn auch dieser Vergleich manches Mal zutreffend sein mag.
Hier treffen parteiliche, persönliche und grundsätzliche Welten aufeinander.
Und dann geht es letztlich nicht mehr um Inhalte sondern um Durchsetzungsvermögen.
Und wieder werden wir Bürger zum Beiwerk der Demokratie degradiert.
Versuchen wir es zur Abwechslung doch mal mit vorbehaltloser Kommunikation, vielleicht ist der eine oder andere ja schon erwachsen genug dafür.
In diesem Sinne
Klaus und Susanne Bienentreu, Königswinter